Orchesterarbeit zur Förderung der poststationären Patientenversorgung in der Kinder- Jugendpsychiatrie (JeKi-KJPP)

Ansprechpartner: Oliver Fricke

 

Projekt-Status: In Planung

Ausgangslage:

Patienten mit psychischen Störungen im Schulkindesalter (6-14 Jahre) zeichnen sich häufig durch Rückstände in der Entwicklung von Persistenz in der Umsetzung von regelmäßigen Tätigkeiten, durch eine geringe Frustrationstoleranz,  und nicht altersgerechten Fertigkeiten in der Kommunikation emotionaler Inhalte zu Gleichaltrigen und durch limitierte Strategien der Emotionsregulation aus. Bei längerer Krankheitsdauer sind häufig Entwicklungsprozesse in mehreren Bereichen der Entwicklung gestört und den Patienten fehlt es häufig nach Verbesserung der sozialen Alltagsfähigkeit aufgrund der Behandlung an individuell ausgebildeten Interessen und Tätigkeiten, an denen insbesondere kreative Fertigkeiten entwickelt werden können, die im weiteren Leben ein Merkmal der Resilienz darstellen und vor erneuten Phasen einer Erkrankung schützen können.

Projekt-Ziel:

Das Erlernen eines Musikinstruments erfordert im Rahmen des regelmäßigen, in der Regel täglichen Übens die Entwicklung von Persistenz und Frustrationstoleranz, ermöglicht die Erfahrung von Erfolgen bei der Bewältigung technischer Probleme und bietet die Möglichkeiten der non-verbalen Kommunikation von emotionalen Inhalten im gemeinsamen Musizieren und der Emotionsregulation im Feedback-Prozess zwischen Klangerzeugung und Klangrezeption.

Projekt-Umsetzung:

Aus diesem Grund soll für den therapeutisch-pädagogischen Prozess auf der Kinderstation des GKH das Konzept „JeKi-KJPP“ (Jedem Kind sein Instrument in der KJPP) implementiert werden. Jedes Kind erhält zur Aufnahme auf der Station ein Streichinstrument aus dem Instrumenten-Fundus der Station, an dem es über Instrumentalunterricht, der regelmäßig für die Patienten auf der Station erteilt wird, und den damit verbundenen Alltagsherausforderungen des Übens eines Instruments, welches pädagogisch zum Erlernen von Persistenz und Frustrationstoleranz auf der Station begleitet wird, einen persönlichen Entwicklungsprozess einleiten kann, der non-verbale Kommunikation mit Gleichaltrigen (Streicher-Spielkreis auf der Station) in einem musikalischen Gefüge mit Gleichaltrigen möglich macht.

Die Patientin nehmen nach Abschluss der stationären Behandlung ihr neu erlerntes Instrument mit nach Hause und erhalten in Kombination mit medizinisch-therapeutischen Terminen in der psychiatrischen Institutsambulanz wöchentlich Instrumentalunterricht. Zusätzlich zum Instrumentalunterricht besteht die Teilnahme an einem Streichorchester, das wie der Instrumentalunterricht im Zentrum für Lehre, Kunst und Begegnung stattfindet. Neben ambulant versorgten Patienten der KJPP sind Kinder aus Partnerschulen des Projekts (Grundschulen angrenzender Kommunen) Mitglieder in diesem Orchester. Das Konzept der Orchesterarbeit orientiert sich am der Jugendorchesterarbeit für Kinder aus soziale prekären Lebensbedingungen, wie es in Venezuela (Fundación del Estado para el Sistema de Orquesta Juvenil e Infantil de Venezuela) umgesetzt wird. Es handelt sich somit um einen Transfer eines Entwicklungskonzepts zum Aufbau individueller sozialer Resilienz aus einem Schwellenland in einen westlichen Industriestaat und um ein Konzept, dass neben der individuellen Resilienz-Entwicklung die Integration von Kindern mit psychischen Störungen in die Gruppe der altersgleichen Gesunden ermöglicht.

Evaluation des Projekts, Begleitforschung:

Wissenschaftliche Begleitung durch die geplante Junior-Professur für künstlerische Therapien an der Alanus-Hochschule in Alfter (in Kooperation mit dem GKH)